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Ethikkommission gesucht – Bezahlung schlecht, Anfeindung garantiert … 23. Juni 2007

Posted by Daniel Kömpel in Aktuelles, Das muss ich loswerden, Journalismus / Neue Medien.
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Flickr filtert Nacktbilder – auch so eindeutig pornografische und die Jugend verführenden Schandwerke wie die Venus von Milo müssen dem Diktat des Anbieters folge leisten und sich in die ihnen zustehenden schmuddeligen Ecken des Internets zurückziehen. Auch digg tut sich mit seitens der Industrie geforderten Zensur anfänglich nicht schwer, ungern gesehene und profitgefährdende Inhalte von der „User-Generated-Content-Seite“ zu löschen. Brauntriefende, gegen jegliche Ethik und ganz nebenbei auch diesem Lappen namens Grundgesetz verstoßende Glatzenpropaganda wie diese:

sind auf Youtube aber offenbar kein moralisches Problem. Ebensowenig wie die „Wir-schaffen-wieder-ein-bipolares-Weltbild“-Lobby um PI und Kosorten für die deutsche Gesetzgebung. Ich denke, es gibt eine ganz einfache Grenze beim Austausch von Informationen: Alles ist erlaubt – es sei denn, es wird zu Gewalt aufgerufen oder wissentlich gelogen. Wo ist er eigentlich – der Ehrenkodex der SoSo-Gemeinde, der verhindern soll, dass staatliche Zensur nach Gutdünken und doppelmoralischen industriefreundlichen Pseudo-Maßstäben die Grundidee des freien Informationsaustausch zerstören, bevor sie sich entfalten konnte?

*definitelypissed*

 Gefunden bei Weltregierung

Kommentare»

1. anna - 11. August 2007

ich finde deine arbeit zum web.2 hochinteressant, da ich mir dazu auch seit längerem gedanken mache. luhmann und seine kommunikationstheorie, staatliche zensur und kommunikative anarchie, veränderung der nutzungsgewohnheiten, wiederkehr der briefkultur im web, lokalisierung und globalisierung..das sind nur einige stichworte, die mir dazu durch den kopf gehen.

2. Andreas - 6. Dezember 2007

Tja, die ewige Frage nach dem Maßstab. Die stellen wir uns nicht erst seit es das Internet gibt. Und wir haben sie auch für andere Bereiche noch nicht beantwortet.

Sollte ein „Ehrenkodex“ beispielsweise unbedingt industriefeindlich sein? Und was bedeutet das eigentlich in einer Gesellschaft, die zunehmend von Dienstleistungen bestimmt wird?

Ein Maßstab ist IMMER!! von Interessen gesteuert, ganz gleich von wem er gesetzt wird. Denn bei der Festlegung von Gut und Böse gibt es keine einheitliche, für alle geltende Wahrheit. Dass so ein Maßstab von einigen Wenigen festgelegt wird, kann, muss dabei aber nicht schlecht für das Gemeinwohl sein. Andersherum wird ein Regelsystem nicht automatisch dadurch geadelt, dass „das Volk“ es für gut befindet. Und dabei geht mir ganz konkret Hobbes durch den Kopf.

Rechte Propaganda im Netz stört mich auch, ein Problem sehe ich hier ebenfalls (vor allem weil die verantwortlichen Politiker teils nicht mal wissen, was ein Browser ist und entsprechend schlecht erkennen, was man tun könnte). Aber genausowenig habe ich Lust, meiner (imaginären) Tochter Hardcore-SM-Bilder erklären zu müssen. Die Venus von Milo muss man sich auch nicht zwangsweise auf flickr ansehen können, dieses „Opfer“ gehe ich gern ein.

Was ist eine SoSo-Gemeinde?

3. Andreas - 6. Dezember 2007

Nachtrag: Was ist mit sowas hier?

http://www.guerilla-marketing.com/weblog/archives/1010

Mir geht es definitiv zuweit. Keine Ahnung, was ein Landminen-Opfer zu so einer Aktion sagt. Oder welche Albträume es bei Kindern hervorruft. Andere sehen das aber vielleicht nicht so, und schon haben wir ein Problem mit dem Maßstab zum Thema Fotos im Web.

4. Daniel Kömpel - 6. Dezember 2007

OK – natürlich ist es nicht ganz so einfach, wie in meinem bewußt provozierend geschriebenen Artikel.
Dein Beispiel ist auch ätzend und verstößt ganz klar gegen den Pressekodex – es hat aber auch nichts mit Presse zu tun, sondern ist (sehr geschmackloses) Marketing. Aber das ist kein Phänomen des Internets. Ich erinnere nur einmal an die Benetton-Schock-Kampagne. Das hat dem Unternehmen letztlich auch mehr geschadet, als geholfen.

Wenn die Lösung sein soll, einfach alles zu verbieten, was einer Minderheit nicht in den Kram passt, dann sind wir nicht mehr vom Mai 1933 entfernt. Wenn sogar das Entfernen von freizügigem künstlerischem Welterbe nur mit einem „damit kann ich leben“ quittiert wird, wird es für die Gesellschaft gefährlich.

Es gibt auch die Möglichkeit, sich um seine Kinder zu kümmern, mit Ihnen über solche Sachen zu reden und im Zweifelsfall jugendgefährdende Inhalte per Software zu sperren.

Das ist natürlich etwas aufwändiger, als seine Kids einfach alles schauen und tun zu lassen, was sie wollen und anschließend den Medien den schwarzen Peter zuzuschieben…

5. Andreas - 10. Dezember 2007

Moin!
Warum muss mein Beispiel dem Pressekodex genügen? Aber bitte, das geht auch: Einfach die Bild-Homepage besuchen, bitte. Da finden ständig Verletzungen des Pressekodex statt, die der deutsche Presserat auch nicht müde wird anzuprangern.

Dann hast Du Deine Frage eigentlich selbst beantwortet: Wir brauchen keinen speziellen Kodex für’s Web oder andere Medien. Jeder erzieht seine Kinder ganz einfach medienkompetent. Die können dann rechtsradikale und erotische Inhalte selbst einzuschätzen und schon ist das Problem gelöst ;o)


Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Was ist eine SoSo-Gemeinde?

6. Daniel Kömpel - 10. Dezember 2007

Ich habe dir bezüglich deines Beispiels doch nur recht gegeben. Das ist nicht ok. Wenn sich jemand darüber beim Werberat beschwert, würde das (zumindest in Deutschland) auch Konsequenzen haben – würde zumindest eine Ermahnung geben…

Ein Kodex ist doch letztendlich das Ergebnis einer Erziehung in Richtung Medienkompetenz, oder? Und es impliziert die freiwillige Verwendung. Schwarze Schafe wird es immer geben. Ich kann auch anner Tanke Schmuddelheftchen kaufen – deswegen verbietet man nicht die Tankstellen, oder? Oder gar das Fernsehen, weil es da auch solche Kanäle gibt …

Und ein Hardcore SM-Bild ist mir beim normalen Surfen im Netz bisher äußerst selten begegnet – und auch nur dann, wenn ich danach gesucht habe – äh – ich meine – wenn ich danach suchen würde *hüstel* ;)

Verbote sind immer das Eingeständnis des Scheiterns der Zivilgesellschaft. Ein klasse Beispiel dafür ist die aktuelle Diskussion um Höchstgehälter für Manager.

SoSo steht für Social-Software unter die auch Blogs, Wikis, Videoportale etc. fallen.

7. Silke - 4. Juni 2009

Das klingt eigentlich gar nicht so gut!Naja, jeder von uns hat seine Kommunikationstheorie…verschiedene Gedanken und Meinungen…Sehr schöne Seite , aber warum so lange nichts mehr…?


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