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Die neue FR – Sprung in die Zukunft oder pures Facelift? 30. Mai 2007

Posted by Daniel Kömpel in Aktuelles, Das muss ich loswerden, Journalismus / Neue Medien.
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Die neue FR - Abbildung von www.fr-aktuell.deEines hat die Frankfurter Rundschau mit Bestimmtheit – Tradition. Sie war die erste zugelassene Tageszeitung des amerikanischen Sektors in Nachkriegsdeutschland. Sie hat die junge Republik durch dick und dünn begleitet und mit Sicherheit sogar mit geprägt. Dies nicht zuletzt, weil von Anfang an Menschen mit echter Überzeugung an dem Blatt gearbeitet haben, von denen der langjährige Chefredakteur und Herausgeber Karl Gerold nur einer, wenn auch sicher der Prägendste war.

Wenig ist heute von diesem einstigen Ruhm übrig geblieben. Von einer „überregional verbreiteten Frankfurter Lokalzeitung“ spricht Friedrich Wilhelm Graf spöttisch im Spiegel Special 09/2006. Auch in Blogistan wird sich des Öfteren einmal über die Online-Ausgabe der FR muckiert:

Unter uns: BILDblog hatte im September vermutlich mehr Besuche (Visits) als das Online-Angebot der Frankfurter Rundschau.“ Stefan Niggemeier

Und so sonnt man sich auch nach dem Relaunch der FR im Tabloid-Format anstrengend lange in der ruhmreichen Vergangenheit. Die inhaltlichen Veränderungen sind mit Sicherheit zu begrüßen. Jugendlicher, weiblicher und aktueller soll die neue FR sein. Das gefällt nicht allen eingefleischten Lesern der Rundschau. Sicher – sie hat es nicht leicht, der etwas überalteten Kernleserschaft zu gefallen und trotzdem mit der Zeit zu gehen.

Das neue Format ist meiner Meinung nach eine Bereicherung für die Presselandschaft. Die neuen Bücher Rubriken Wissen & Bildung sowie „Orientierung“ passen in die Zeit ähm… treffen den Zeitgeist. Dass ein erhöhter Bedarf an Lebens- und Orientierungshilfen besteht, haben sicherlich nicht nur die Marktforscher der FR geraten – sie kann auch selbst ein Lied davon singen. Schließlich ist es weder üblich noch markentechnisch ratsam, zwei Relaunches innerhalb von drei Jahren vorzunehmen. Und auch der Online-Auftritt bekam schließlich erst kürzlich einen neuen Anstrich.

Hier wird sich in aller Ausführlichkeit über den Print-Relaunch ausgelassen. Erste traditionelle überregionale Zeitung im Tabloid-Format zu sein (was ist eigentlich Welt kompakt?) ist sicherlich auch ein marketingtechnischer Coup, jedoch: ich vermisse eine Umorientierung hin zu einem wahren crossmedialen Angebot. Ein neues Erscheinungsbild der FR wird auch nicht verhindern können, dass die Print-Leserschaft rapide abnimmt.

In Zeiten von Orientierungssuche, Wertedebatten, Politikverdrossenheit und Vertrauensverlust in die demokratischen Strukturen – insbesondere bei den jungen Menschen, ist es laut Selbstverständnis der Frankfurter Rundschau geradezu eine Pflicht, in den politischen Diskurs mit den Möglichkeiten der „neuen“ Medien einzugreifen, um hier eine (regionale) Marktführerschaft aufzubauen. Dies kann nur mit einem strukturierten Gesamtkonzept, das alle Wege der Kommunikation einbezieht, geschehen.

In diesem Sinne ist eine klare strategische Richtungsentscheidung, hin zu einem wirklichen „Medienunternehmen“ nötig. Ein Ausbau der Manpower der Onlineredaktion sowie die Stärkung deren Rechte in der redaktionellen Entscheidungsfindung ist nach meinem Dafürhalten im Sinne eines zukunftsorientierten Verlages unabdingbar, will man die Wirren der „Zeitungskriege“ nicht nur überleben, sondern gestärkt daraus hervorgehen.

Doch davon keine Spur – oder habe ich etwas übersehen?

Kommentare»

1. medienlese.com » Blog Archiv » Frankfurter Rundschau goes Tabloid - 31. Mai 2007

[…] wurde eine Umorientierung hin zu einem wahren crossmedialen Angebot vermisst. Dafür aber wurden “marodierende Affenweibchen über dem Zeitungskopf […]

2. 7an - 1. Juni 2007

finde die neue fr super. werde sie mir jetzt wohl öfters kaufen, vielleicht sogar abonnieren. man muss sowas unterstützen. vor allem das format gefällt mir wirklich. da sollten andere nachziehen. aber auch einige storys waren sehr cool. muss noch was zu schreiben. habs bisher nicht geschafft. schreibe ja immer noch diplom hauptberuflich und blogge trotzdem zuviel. manchmal denke ich mir, mensch jan, das ist ja voll arbeit. dafür sollte man dich bezahlen. und da sag niemand, blogs wären nicht gehaltvoll. hab sogar gehört, dass manche mit nem diplom diplomieren. aber das ist natürlich abgefahren.

3. Daniel Kömpel - 1. Juni 2007

Meinst du mit einem Blog diplomieren?
Das ist aber echt abgefahren ;)

4. Tobi - 2. Juni 2007

Ich muss dir recht geben. Auch ich finde das neue Format besser als das alte. Es hat einfach was, die Zeitung in der S-Bahn lesen zu können ohne beim Umblättern dem Nebenmann den Arm ins Gesicht zu rammen.

Inwieweit sich das Ganze auf die Zukunft der FR auswirkt, vermag ich nicht zu sagen. Inhaltlich hatte ich das Gefühl, sie versuchen jetzt mal in der ersten (neuen) Ausgabe richtig was zu bieten, aber das lässt sich wohl nicht dauerhaft durchhalten. Abeer die Aufmacher-Geschichte mit den Beliebtheiten der G-8-Regierungschefs hat´s aus meiner Sicht nicht ganz getragen. Ist doch relativ klar, wer wie beliebt ist …

Ob das frische Format nun auch mehr Anzeigenkunden anzieht und die FR damit auch finanziell besser aufgestellt wird, weiß ich auch nicht, schließlich ist eine ganzseitige Anzeige jetzt nur noch halb so groß und bringt entsprechend weniger Geld.

5. 7an - 4. Juni 2007

gähn. watn los hier? ich sach nur: contentconentcontent! du solltest mehr kaffee trinken und deinem chef klarmachen, dass bloggen deine arbeitsperfomance verbessert.

6. Daniel Kömpel - 4. Juni 2007

Hm. Ich generiere keinen Content um des Contents willen. Ich schreibe gerade an Interviews für Stefan Niggemeier, Swaran Sandhu und Jens Seipenbusch (Vorsitzender der Piratenpartei). Ich muss schließlich auch noch eine Diplomarbeit abgeben und nicht nur Leser unterhalten ;)

@Tobi: Mit den Anzeigenformaten hast du natürlich recht. Ich habe kürzlich eine Anzeige zur Schaltung in der FR reingezeichnet, sie versendet und dann gesagt bekommen, dass das Format leider zu groß sei für Tabloid – daran hatte ich gar nicht gedacht. Neue Anzeigenrichtlinien gab es aber auch nicht von alleine …

7. 7an - 4. Juni 2007

nein, aber man muss bloggen um des bloggens willen. quatsch. natürlich bloggt man immer wegen der inhalte oder der debatte oder dem mitteilungsbedürfnis. aber ich vergaß vielleicht, dass dein blog ja nur ein teil deines diploms ist – im gegensatz zum websehen. trotzdem. die leute bloggen einfach zu wenig. so geht das nicht weiter. man kann doch nicht so viel zeit mit sinnvoller arbeit verschwenden. nein, das geht nicht.

8. Expertenbefragung: Stefan Niggemeier über "Web" und die Welt « The Web Society - 4. Juni 2007

[…] Recherche seitens der FR ausgetragen haben – hat als erste traditionelle Tageszeitung zum Tabloid-Format gewechselt. Reichen ein neuer Look und ein paar jugendlichere Themen, um junge Menschen zurück zur Zeitung zu […]


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