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Intel torpediert Entwicklungshilfe-Projekt 22. Mai 2007

Posted by Daniel Kömpel in Aktuelles, Arbeitswelt / Online-PR.
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100-Dollar-Laptop - Prototyp, Lizensiert unter Creative Commons Attribution ShareAlike 2.5, Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:LaptopOLPC_a.jpgEs klingt wie eine nur allzu schöne Utopie: Man sorge dafür, dass die Kinder und Jugendlichen dieser Welt einen freien Zugang zum Internet und damit dem kollektiven Wissensspeicher der Menschheit haben. Da Kinder von Natur aus Neugierig sind und eine hohe autodidaktische Lernfähigkeit aufweisen, bilden sie sich schnell weiter, lernen Fremdsprachen und sichern sich damit ihre eigene Zukunft. Dank des erhöhten Bildungsgrades haben militante fundamentalistische Bewegungen keinen Nährboden mehr, um ihre lebensverachtenden Pseudo-Philosophien zu verbreiten. Zugleich wird der digitalen Spaltung (digital devide) der Gesellschaft entgegengewirkt.

Das alles soll möglich werden mit der von Nicholas Negroponte ins Leben gerufenen „One Laptop per Child“-Initiative (OLPC), die sich zum Ziel gesetzt hat, Laptops für bedürftige Schüler in Drittwelt- und Schwellenländern für unter 100$ pro Stück anzubieten. Negroponte, dessen Kompetenz in Sachen IT außer Frage steht, nennt die Non-Profit-Initiative „ein Bildungs-, kein Laptopprojekt„.

Nicht, dass dem Projekt schon genug Steine im Weg liegen würden, als da wären: die fehlende Medienkompetenz der Zielgruppe, was zu absichtlicher Fehlinformation führen kann oder der Unwille der meisten Drittweltländer, seine Untertanen überhaupt zu mündigen Bürgern einer Informationsgesellschaft zu erziehen. Schließlich könnte das Volk dann irgendwann in Frage stellen, dass die korrupte Regierung Gelder aus Entwicklungshilfe und Rohstoffausbeutung lieber in Waffen investiert, um die eigene Macht zu erhalten, statt in Bildung und Infrastruktur.

Zu allem Übel hat das Projekt auch noch Intel und Microsoft gegen sich aufgebracht. Der Laptop wird nämlich von einem AMD-Prozessor betrieben und läuft unter einem Open-Source-Linux-Betriebssystem. Ein Schelm, wer da einen Zusammenhang sieht … 

Kurbeln für den Weltfrieden

Während Billyboy Gates sich damit begnügt, das OLPC-Projekt öffentlich lächerlich zu machen, wobei er sich natürlich herablassende Kommentare über die Kurbel zur Stromerzeugung (kein Scherz) nicht verkneifen kann, startet Intel gar ein Gegenprojekt – den Classmate. Dieses wird laut ZDnet.de aggressiv in Drittweltländern vermarktet. Es wurden sogar Broschüren verteilt, die auf die Schwächen des OLPC-Rechners aufmerksam machen:

„Jemand von Intel hat den Classmate PC mit einem anderen Gerät auf dem Markt verglichen. So funktioniert unser Geschäft eben.“ Intel-Chef Craig Barrett

In der Tat funktioniert Kapitalismus so. Es ist ja nicht unbedingt schlecht, wenn sich der Bessere am Markt durchsetzt. Problematisch ist nur, dass das 100$-Laptop seinen Preis nur durch immense Stückzahlen behaupten kann. Also das ganze Projekt darauf basiert, dass andere Anbieter mit entsprechender Marktmacht den Anstand besitzen, das Projekt nicht zu torpedieren. Bisher liegt der Preis des OLPC-Rechners bei 176$. Ob die anvisierte 100$-Grenze unter diesen Vorzeichen zu erreichen sind, scheint fraglich.

Ein gewisser Trost ist, dass „Cyber-Humanisten“ wie Nicholas Negroponte nicht alleine auf weiter Flur für die Idee kämpfen, dass Wikipedia, Open Source, Social Software & Co. das Potenzial haben, in Sachen Umweltschutz, Bildung und Gerechtigkeit einiges zum Guten hin zu verändern. Trotz all dieser Hilfsmittel braucht es jedoch wie seit je her vor allem eines: Menschen, die Moral und Würde über bloße Profitgier stellen. Und so stellt auch Negroponte, der sich selbst als Weltbürger bezeichnet, amüsiert fest:

„Wenn man sowohl Intel als auch Microsoft im Nacken hat, dann weiß man, dass man etwas Richtiges tut.“

Kommentare»

1. 7an - 22. Mai 2007

Ist ein wirklich ein super Projekt von Negroponte. Hoffe, er kommt damit weit. Aber ich frage mich, wer hat schon kein Strom aber Internet?

2. Daniel Kömpel - 22. Mai 2007

Vielleicht ist auch eine handkurbelbetriebene Sky-DSL-Karte mit dabei *G*
Aber in der Tat ein gutes Argument. Allerdings kan man ja auch netzunabhängig lernen – es gibt auch einige vorinstallierte Software und Lernmaterialien – hier nachzulesen.


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