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Springer, Netzzensur und die Blogosphäre 10. Mai 2007

Posted by Daniel Kömpel in Aktuelles, Arbeitswelt / Online-PR, Journalismus / Neue Medien.
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Alan Posener kommentiert in seinem Blog recht bissig die Buchveröffentlichung von BILD-Chef und Vorzeigedemokrat Kai Dieckmann. „Der große Selbstbetrug“, so der passende Titel der Veröffentlichung, in der Dieckmann unter anderem mit den 68ern abrechnet. Nun wäre das alles kein großes Ding, Dieckmann-Bashing ist dank des BILDblogs schließlich (und zum Glück) zu einem Hobby der Blogosphäre geworden.

Doch ist Herr Posener leider Chef-Kommentator der Welt am Sonntag, die bekannterweise ebenso wie die BILD zum von Axel Cäsar Springer gegründeten gleichnamigen Medienkonzern gehört. Und eines mag dieser Verlag gar nicht – Dolchstöße in das Herz des Verlages von ihren eigenen Söhnen… Lohnsklaven Mitarbeitern.

Nun war die Kritik auch nicht gerade harmlos:

„Wenn man ein bisschen zynisch ist, auf miniberöckte Vorzimmermiezen großen, auf Ernsthaftigkeit eher weniger Wert legt, kann man (bei „Bild“) Karriere machen, und das ist völlig OK so. Einer muss es ja machen, so wie einer den Dieter Bohlen machen muss, und einer den Papst. Aber wenn Dieter Bohlen den Papst geben würde, müsste man auch lachen, oder?“ Alan Posener

So kann man auch nachvollziehen, dass der Beitrag mittlerweile gelöscht ist. Posener selbst ist zu keinem Kommentar bereit – der Vorgang werde für Posener aber „keine personalrechtlichen Konsequenzen“ haben. Quelle: BILDblog. Also Schadensminimierung und der Deal: Mund halten gegen Arbeitsplatz.

„War das jetzt eine Entgleisung, die durchaus auch eine fristlose Kündigung wert gewesen wäre? Oder ist das ein Einschnitt in die vom Grundgesetz garantierte Meinungsfreiheit?“ fragt Klaus Eck.

Der Fall belegt mal wieder, warum große Unternehmen größere Probleme zu haben scheinen, Social Software in ihre Unternehmensstrategie einzubauen. Denn das, was sich dadurch nicht vermeiden ließe – nämlich Meinungspluralität und ein öffentlicher Diskurs über das eigene Unternehmen, ist das, was diese Konzerne nun wirklich nicht wollen. Das ist der genaue Gegensatz zur hierarchisch und top-down geführten Unternehmenskommunikation.

„Liebe Springer-Leute: Ihr wollt modern sein und Top-of-the-Pops mit Online First und allem PiPaPo, aber wieso seid ihr da so schrecklich inkonsequent und unsouverän? Die Nummer fliegt euch im Netz jetzt stärker um die Ohren als euch das wohl lieb ist.“ stellt Steffen Büffel dazu fest.

Da stellt sich mir die Frage, ob Unternehmen – auch außerhalb der Medienbranche – es sich überhaupt erlauben können, sich nicht mit dem Web 2.0 zu beschäftigen. Denn ob sie es wollen oder nicht: Sie sind bereits Teil davon. Wäre es dann langfristig gesehen nicht sinnvoller, die eigenen Mitarbeiter im Umgang mit dem Social Web zu schulen und nicht angreifbare Unternehmensleitsätze zu formulieren, die dann auch tatsächlich gelebt werden? Damit hätte man etliche positiv gestimmte Insider-Multiplikatoren, die auf Kritik am eigenen Unternehmen autark und glaubhaft reagieren könnten.

Denn eines ist klar: Mit klassischen PR-Mitteln die Fassade eines Unternehmens sauber zu halten, dürfte immer schwerer werden – oder?

Kommentare»

1. Julia Schmid - 11. Mai 2007

Ich kann Steffen Büffel nur zustimmen. Ich finde Zensur gerade IN einem Medieunternehmen, dass sich sonst ungern etwas vorschreiben lässt völlig Fehl am Platz. Springer-Kollegialität hin oder her. Die Welt ist nicht die Bild. Gegenseitiges kritisieren bringt doch oft nur weiter.

2. Daniel Kömpel - 12. Mai 2007

Andererseits ist auch verständlich, dass die Bild-Chefs nicht den Eindruck unterstreichen wollen, dass man in dem Laden tun und lassen kann, was man will. Schließlich unterschreibt man in jeder Redaktion, dass man sich nach der redaktionellen Tendenz richtet. Da weiß man ja vorher, worauf man sich einlässt. Und das beinhaltet sicherlich nicht das öffentliche Schlechtmachen des Chefredakteurs …

3. Expertenbefragung: Swaran Sandhu über Hypes und Hoffnungen im Web 2.0 « The Web Society - 5. Juni 2007

[…] Bloggen birgt auch Risiken, das ist schon mehrmals thematisiert worden. Die Trennung zwischen öffentlichem (der Organisation zugeordnetem) Reden und privater […]


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