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Expertenumfrage – SoSo-Tools mit Potenzial? 7. Mai 2007

Posted by Daniel Kömpel in Aktuelles, Expertenbefragung, Journalismus / Neue Medien.
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Was macht es aus, das vielfach gerühmte Web 2.0? Der Community-Gedanke ist schließlich kein neuer. Erste Online-Foren, die Austausch ermöglichten und Intelligenz bündelten – wie etwa The Well – existieren bereits seit Mitte der 80er. Technik-Affine surften schon lange vor der Öffnung des Internets per Akustik-Koppler in „Siebenmeilenstiefeln“ um die Welt.

Aber dank des Internets und der sich stetig verbessernden Usability der Anwendungen ist heute beinahe alles für jeden realisierbar. Social-Software-Anwendungen wie lokalisten, plazes, yigg, mindmeister, qype & Co. wecken in der Webgesellschaft Bedürfnisse, von denen die meisten bisher nicht einmal wussten, dass sie sie überhaupt haben. 

„Kurzfristig überschätzt. Langfristig unterschätzt.“ (Prof. Dr. Jo Groebel)

Welche dieser Tools haben das Potenzial, auch noch in zehn Jahren zu existieren bzw. sich evolutionär mit den technischen Möglichkeiten des Internets weiterzuentwickeln? Welche können gar die Gesellschaft an sich verändern – die Art, wie wir uns politisch einbringen oder unser Berufsleben und unsere Freizeit gestalten? Und wollen wir das überhaupt?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, startet hier und heute einen Rundruf an ausgewählte A-Blogger, Medienprofis und Journalisten, mit der Bitte, ein SoSo-Tool (im weitesten Sinne) zu benennen, dass aus ihrer Sicht revolutionär, besonders innovativ, wirtschaftlich viel versprechend oder einfach nur sehr interessant ist. Sozusagen ein Blog-Karneval „light“.

Dabei ist es nicht relevant, ob das Projekt erst zwei Wochen oder schon zwei Jahre existiert, ob es bereits allgemein bekannt oder ein totaler Underdog ist. Mich interessieren die ganz persönlichen Empfehlungen – auch, wenn ein und das selbe Projekt mehrfach genannt werden sollte.

Ich hoffe, dass daraus ein aktiver Diskurs entsteht – schließlich untersucht dieses Blog ja auch das Kollaborationspotenzial des Social-Webs. Ich hoffe, die Blogosphäre lässt mich nicht im Stich …

Kommentare»

1. Martin Szugat - 7. Mai 2007

Second Life und ähnlich gelagerte virtuelle Welten haben m.E. ein großes Zukunftspotential, da sie eine soziale Umgebung bereitstellen, die die wesentlichen sozialen Bedürfnisse des Menschen und damit der Kunden abdeckt:

* Selbstverwirklichung: Identität dank eines integrierten Identitätsmanagementsystems sowie Individualität durch Customization des eigenen Avatars
* Soziale Anerkennung: das eigene Haus, die positiven Bewertungen, die vielen Freunde, die tollen Klamotten, …
* Soziale Beziehungen: Face-to-Face-Kommunikation sowie räumliche Nähe

Revolutionär: nein, eher eine Ergänzung zum Treff im Biergarten, dem Telefonat mit der Freundin aus der Nachbarschaft, dem Chat mit dem Bekannten in Übersee, …
Innovativ: nein, aber vorhandene Technologien in ein Produkt integriert
Wirtschaftlich viel versprechend: für die Betreiberfirma und die Agenturen sicherlich ja, ansonsten eher nein, zumindest noch nicht
Interessant: auf jeden Fall! Die Entstehung neuer sozialer Umgangsformen zu beobachten ist immer spannend.

Viel Erfolg mit der Diplomarbeit! Ich bin gespannt auf die Ergebnisse!

Martin

PS: Warum nur A-Blogger, Medienprofis und Journalisten? Bin weder das eine noch das andere. Ich glaube auch nicht, dass die wirklich die Experten sind. Experten von etwas, das sind immer deren Anwender! Wenn Du wissen willst, was einen guten Baumarkt ausmacht, frag die Hand- und Heimwerker, nicht die Analysten, Unternehmensberater oder gar Verkäufer.

2. Daniel Kömpel - 7. Mai 2007

Hallo Martin,
vielen Dank für deinen Post und deine Hinweise. Ich hätte erwartet, dass der erste Beiträg länger auf sich warten lässt.
Ich sehe das Potenzial 3-dimensionaler Welten ähnlich wie du. Wobei die aktuellen Plattformen wie Second Life natürlich absolut gehyped sind.

Aber die Plattform ist sicher nicht das entscheidende, sondern das Prinzip. Zu MMORPGs, was sicher eine der größten Massenbewegungen dieser Art ist, werde ich mich demnächst auch noch einmal hier äußern …

Was die Anrede betrifft – richtig, ich habe die Autoren vergessen.

Ich habe die Firmen selbst nicht angesprochen, da ich mir von den Bloggern und Journalisten unabhängigere Aussagen und tatsächliche eigene Meinungen erwartet habe. Zudem ist ja das Kollaborationspotenzial der Blogosphäre Besatandteil meiner Diplomarbeit.

LG,
Daniel

3. Thomas Wanhoff - 8. Mai 2007

Ich fürchte das Problem liegt in der Fragestellung. Es ist unerheblich, welche Tools bleiben werden. Denn so sehr wie keiner die (wiedergekehrte) Macht der Communiteis vorhersagen konnte, (formally known as Foren), so wird jetzt keiner mit Sicherheit sagen, wie es weitergeht. Das Mitmachweb sehe ich kritisch: Nicht jeder mag wirklich mitmachen. Das Revolutionäre ist schlicht, dass es (noch) jeder kann und darf, und zwar im publizistischen Sinne. Das ist Medienfreiheit at its best. Es schafft letztlich Plurailiät, echten Wettbewerb, auch Kontrolle durch User. Es wird Mediennutzung verändern, aber nicht Medien abschaffen.
Letztlich denke ich gibt es viele schlaue Leute auf der Welt, die jetzt schon Ideen haben, über die wir in ein paar Jahren schreiben werden wie jetzt über Lokalisten etc.

4. Daniel Kömpel - 8. Mai 2007

Eigentlich richtig – die Frage hätte sich an dem Tool bzw. dessen Namen orientieren sollen, sondern den den zugrunde liegenden Prinzipien. Wie etwa dem amazon-Empfehlungsprinzip. In der Tat will noch nicht jeder mitmachen – die katastrophale Beteiligung an der SPD-„Programmerkstatt“, was ich prinzipiell für ein tolles Tool der Bürgerpartizipation halte, spricht Bände.
Das Interesse der Kommunikationselite geht meines Erachtens noch nicht weit über den eigenen Tellerrand hinaus.
Was die Pluralität betrifft, stellt sich mir die Frage, ob nicht gute Ideen und Analysen drohen im Sumpf des Banalen unterzugehen. Zudem müssen wir bei einem immer ausufernderen Web immer mehr auf Suchmaschinen und Wissensdatenbanken vertrauen – die jedoch auch eigene Interessen verfolgen. Wird die Meinungsvielfalt dadurch nicht beinahe zu einem Fluch? Vielleicht steigt die Bedeutung des Bürgerjournalismus auch antiproportional zur Pluralität der Medien in einem Land – was erklären würde, warum er in Deutschland eine eher untergeordnete Rolle spielt.
Schöne Grüße nach Kambodscha im Übrigen.

5. Martin Welker - 8. Mai 2007

„Welche dieser Tools haben das Potenzial, auch noch in zehn Jahren zu existieren bzw. sich evolutionär mit den technischen Möglichkeiten des Internets weiterzuentwickeln? Welche können gar die Gesellschaft an sich verändern – die Art, wie wir uns politisch einbringen oder unser Berufsleben und unsere Freizeit gestalten? Und wollen wir das überhaupt?“

Viele Fragen auf einmal. Und die Millionen- (oder Mrd.) Dollar Frage ist auch dabei. Wer weiß schon, was in 10 Jahren ist? Geschweige denn in 14 Tagen? :) Konzentrieren wir uns mal auf die Gegenwart: Twitter ist ein Tool, das m.E. großenErfolg haben wird, weil es einfach, (bald) kostenlos und hip ist und Mehrwert bietet.

SPON: „So sind unter anderem die Nachrichtenagentur Reuters, die BBC und CNN dem Charme der Mini-Nachrichten erlegen. Alles, was bei den News-Profis über den Ticker geht, landet auch bei Twitter – in Kurzform versteht sich, denn mehr als 140 Zeichen darf ein „Tweet“ nicht lang sein.“

Na also.

6. Daniel Kömpel - 8. Mai 2007

Den Erfolg von Twitter konnte ich bisher noch nicht ganz nachvollziehen – fördert es doch imho noch weiter die Kurzlebigkeit von Information und die immer weiter um sich greifende sich auf den Moment beziehende Berichterstattung, die das Gestern und Morgen ausblendet und nur auf den kurzfristigen „Klick“ angelegt ist.

Dass sich aber auch Agenturmeldungen darüber beziehen lassen, ist in der Tat ein tolles Feature. Schliesslich wird es ja auch von vielen Profis als das „NBT“ bezeichnet. Wenn das Tool in erster Linie die SMS-Generation anspricht, wird Jamba als Sponsor sicher nicht lange auf sich warten lassen ;)

Warum sagen Sie, „bald“ kostenlos? Ist es das nicht schon?

7. Buenalog » Blog Archiv » Give Peace A Chance! - 8. Mai 2007

[…] Im Grunde wollte ich nur dem Wunsch von Daniel Kömpel nachkommen. Im Rahmen seiner Diplomarbeit richtet er folgende Bitte an uns: Es würde mich freuen, wenn ihr dort ein Social-Software-Tool benennen könntet, dass aus eurer Sicht revolutionär, besonders innovativ, wirtschaftlich viel versprechend oder einfach nur sehr experimentell ist. Sozusagen ein Blog-Karneval “light” (mehr dazu auch im Blogbeitrag selbst). […]

8. Martin Szugat - 8. Mai 2007

Hallo Daniel,

Was ich meinte war, frag doch mal diejenigen, welche tatsächlich eine bestimmte SoSo-Anwendung extrem intensiv nutzen (bspw. den absoluten Digg-Freak) oder – am anderen Ende des Spektrums – diejenigen, die sich absolut weigern, solche Tools einzusetzen. Da kommen oftmals sehr erstaunliche Einsichten zu Tage.

Wir haben diese Methode (qualitative Befragung) in einem Projekt zusammen mit IDEO angewandt (in einer komplett anderen Branche) und waren sehr überrascht, über die Aussagen der Interviewpartner und die daraus gewonnenen Einsichten.

Viele Grüße

Martin

9. Daniel Kömpel - 8. Mai 2007

Hallo Martin,
danke für die Anregung, das könnte ich tatsächlich als zweite Stufe der Befragung machen – und die Ergebnisse nutzen, die ich hier erhalte. Ich hoffe ja, dass sich doch noch der Eine oder Andere zu Wort melden wird …

10. Klaus Eck - PR Blogger - 9. Mai 2007

Tools sind wirklich nicht entscheidend für den Erfolg des Web 2.0, aber sie beschleunigen soziale Entwicklungen. In dieser Hinsicht stellt Twitter nur ein Paradebeispiel dar. Über den Sinn oder Unsinn eines solche Mikroblogging- und Community-Tools kann man gerne lange und intensiv streiten. Des einen Big-Brother-Phänomen ist des anderen Online-Kampagnen-Tool oder Medien-Service. Letztlich entscheidend ist doch die Tatsache: Die Nutzerzahlen steigen international rasant und es scheint damit ein soziales Mitteilungsbedürfnis befriedigt zu werden. Vielleicht genügt es hierbei sogar schon, dass man ein Stück aus seiner Vereinsamung vor dem Rechner herausgerissen wird und simulierte Leben sieht: Twitter ist viel simpler als das nun überhaupt nicht barrierefreie Second Life und könnte deshalb auch wesentlich erfolgreicher sein.

Ich bin kein großer Fan des Second Life, kann aber durchaus nachvollziehen, was die großen Unternehmen in Scharen ins 3-D-Universum lockt. Zum einen klassische Kommunikationsstrukturen, die nichts in Frage stelllen. Wer ein Blog betreibt, der muss mit Kommentaren und anderen Reaktionen rechnen, sich außerdem noch Gedanken über die eigene Unternehmensstruktur machen. Das überfordert hierarchisch strukturierte Konzerne sehr schnell. Demgegenüber bietet das Second Life einen digitalen Feudalismus an, in dem Geld und Grundbesitz eine zentrale Rolle spielen. Außerdem können Unternehmen dreidimensionale Kommunikationswelten kennen- und verstehenlernen und sind über ihre Markenexperimente für die Zukunft gewappnet. Die 3-D-Welten werden in Teilbereichen und einzelnen Branchen auch Sinn machen. Aber wann sie sich wirklich durchsetzen werden und ob sie überhaupt das 2-D-Netz ersetzen werden, sei dahingestellt. Davon fantasieren die Onliner bereits seit mehr als zehn Jahren. Herausgekommen ist bislang wenig.

Viel spannender halte ich einen ganz anderen Trend: den zur Informationsaskese. Wie bewältige ich meinen persönlichen Informationsoverload? Wie gehe ich sorgsam mit meinem E-Mail-Verkehr und dessen Verwaltung und dem Informationsmanagement insgesamt um? Das sind die größten Herausforderungen, die heute schon an uns gerichtet. RSS, Expertennetzwerke und Social Bookmarken bieten hierbei vielfältige Lösungen an.

11. Steffen Büffel - 10. Mai 2007

Hier meine Antwort(en):

1. Tools verändern keine Gesellschaften, Menschen tun das in ihrem sozialen Miteinander, das nicht immer kooperativ sein muss. Veränderung braucht Kolaboration genauso wie Reibungsflächem. durch bestensfalls öffentliche Diskurse, schlechtensfalls Kriege ausgelöst werden. Social Software und ander Webtechnologien sind von Menschen geschaffene Werkzeuge, die soziale Interaktion/ Kommunikation ermöglichen.

2. Den Erfolg des Twittermodells finde ich wenig verwunderlich. Denn es wird leidglich öffentlich sichtbar gemacht, was tagtäglich milliardenfach in Form von SMS-Nachrichten oder Instant Messaging sowie Chats vonstatten geht. Menschen lieben es zu kommunizieren, sei es gehaltvoll in philosophisch tiefgründigen Debatten oder in Form von Gossip Gossip Gossip.

3. In der Auseinandersetzung von zusehends mehr Menschen mit den neuen und alten Webtools und der damit verbundenen sozialen Vernetzung wird ein neues Wir-Bewusstsein in kleinen und froßen fragmentierten Onlinegemeinschaften geschaffen, das losgelöst von Ort und Zeit existiert. Es existiert aber nicht (nur) irgendwo „da draussen bzw. drinnen“ im Cyberspace, sondern es existiert in unseren Köpfen und den Projektionen auf den Computerimnterfaces. Insofern lautet meine Antwort auf Deine andere Frage, dass das Tool, das auch noch in zehn Jahren bestand haben wird und mit den technischen Möglichkeiten des Internet co-evolutioniert das menschliche Gehirn! :-) Das Tool als „Ding“ wird das Internet an und für sich sein, da ist es (bis vielleicht auf wirtschaftliche INteressen der Macher) egal, ob Twitter nocho dazu gehört, ob SL noch dazu gehört oder ob die Xings, MySpaces und StudiVZ’s dieser Welt noch dazugehören.

4. Wenn ich dann doch noch ein Tool, einen Dienst, eine Anwendung als revolutionär und nachhaltig herausgreifen müsste, dann wäre es definitiv Wikipedia. Wikpedia und die daran angegliederten Projekte (Wiki Species, Wiki Quote etc.) prägen heute das Web und werden das auch in Zukunft tun – und zwar weiterhin unterhalb des Radars der Dollarindustrie. Wikipedia ist das evolutionär aus meiner Sicht am weitesten vorangeschritte Projekt der Netzklultur. Wikipedia ist Netzkultur in Reinform. Die Vision einer solchen Enzyklopädie gibt es schon seit 1945 (vgl. V. Bush’s Aufsatz „As we may think“), Wikipedia und die aufkeimenden Regionwikis werden das Netz und das Leben verändern.

5. Was Klaus Eck angesprochen hat finde ich extrem wichtig: Entscheidend wird es künftig für immer mehr Menschen sein ihr persönliches Informations- und Wissensmanagement schlank und effizient zu organisieren. Metawissen wird wichtiger sein als Wissen, dazu muss man aber Metwawissen-Wissen aufbauen und hier sehe ich die zentrale Herausforderung für das Bildungssystem. Da die Informationsflut durch das Internet und die digitalen Techniken überhaupt erst ausgelöst wurde zeigt sich an dieser Stelle, welche Folgen die Tools und Techniken auch für Gesellschaften haben.

So, nun ist es aber gut. Ich hoffe ich konnte helfen. Viel Erfolg mit Deiner Arbeit.

12. Daniel Kömpel - 10. Mai 2007

Vielen Dank Klaus Eck und Stefan Büffel, dass Sie sich so viel Zeit genommen haben.

Ihre Beiträge haben mich sehr zum Nachdenken angeregt. Mich verwundert aber ein wenig die Aussage, Tools seien nicht entscheidend, für den Erfolg des Web 2.0? Ist das so zu verstehen, dass die jeweilige konkrete Plattform bzw. der Anbieter nicht entscheidend sind, da sie kommen und gehen? Dann stimme ich voll zu. Laut Definition ist das Web 2.0 aber schließlich das Zusammenspiel der Tools:

„Der Begriff beschreibt alle Internetapplikationen, die hohe Gestaltungs- und Kommunikationsmöglichkeiten für den User bereitstellen. Damit unterscheidet sich das Web 2.0 vom Web 1.0 durch ein anderes „Selbstverständnis“ des Internets, durch die intensive Einbindung des Nutzers in die Gestaltung der Inhalte und durch die Dialoge.“

Den Informations-Overload, den Sie ansprechen halte ich auch für ein großes Problem – vielleicht das größte des Webs. Nicht mehr „Informationen haben“, sondern „Informationen finden und einordnen können“ wird immer mehr der entscheidende Aspekt. Das führt natürlich dazu, dass diejenigen, die Informationen bündeln und die besten (oder bekanntesten) Suchalgorithmen besitzen, eine enorme Macht haben. Diesbezüglich gefällt mir die Idee, der privaten Suchbots, die das Web autonom von Suchmaschinen durchstöbern und deren Suchkriterien man selbst mitbestimmen kann.

Ich weiß nicht, ob ich der These zustimmen kann, Tools würden Gesellschaften nicht verändern. Das klingt zugegeben immer sehr futuristisch und träumerisch – doch die genannten Tools haben die Gesellschaft bereits verändert, wie Sie ja auch feststellen. Wikipedia erlaubt jedem den unzensierten sofortigen Zugriff auf das Wissen der Welt. Das hat die Art der Informationsbeschaffung doch schon gewaltig verändert. Und genau das hat eben Einfluss auf unser soziales Miteinander. Es ist eben der unmittelbare Auslöser einer Veränderung – und damit kausal verbunden.

Genau wie bei der Erfindung des Buchdrucks – die die Welt bisher von allen Erfindungen wohl am nachhaltigsten verändert hat. Oder auch des Handys – oder wann haben Sie sich zuletzt einen Tag vorher mit Freunden für einen festen Zeitpunkt verabredet, und alle waren dann auch da – ohne dass jemand anrief, er käme etwas später oder gar nicht? Das Handy hat unser Zeitverständnis durch die ständige Erreichbarkeit und Mitteilungsmöglichkeiten verändert.

Das Problem, dass Sie bezüglich des Bildungsproblems ansprechen, kann ich gut nachvollziehen – eines der Hauptprobleme im Bildungs- und Politikbereich ist m.E., dass die Entscheider-Generation momentan noch außerhalb dieser Entwicklungen steht und die „jungen Wilden“ nicht die entsprechenden Befugnisse haben.

Was die Informationsflut betrifft: Denken Sie, dass das Social Web gute Ideen und Qualität nach oben spült, oder sehen Sie eher die Gefahr, dass Wichtiges im Sumpf der Banalität unterzugehen droht. Ich nehme gerne Gandhis Salzmarsch als Beispiel – hätte er es in einem wie heute umkämpften Mediensektor leichter oder schwerer gehabt, seine Aktion bekannt zu machen?

13. Mike B. - 21. Mai 2007

Eine sehr interessante Diskussion. Definitiv hätte es Gandhi heute schwerer – es sei denn er definiert Gewaltlosigkeit anders und sorgt einfach dafür, dass das Net zusammenbricht.
Unser aller Problem heute ist der gigantische Informations-Overload. Dazu immer mehr Menschen, die in der Oberflächlichkeit der Medienlandschaft gefangen sind und wo es schon an der Fähigkeit zur Bewertung von Informationen mangelt.
Demokratisierung? Nein…auch das Internet sinkt zunehmend auf das Niveau der Talkshows…wenige manipulieren viele und viele sind glücklich, sich produzieren zu können. Web 2.0 trägt dazu leider viel bei.


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