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Der David-Golitah-Effekt 3. Mai 2007

Posted by Daniel Kömpel in Aktuelles, Journalismus / Neue Medien.
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Ein junger Informatik-Student aus Ecuador veröffentlicht in seinem Blog den Code zum Knacken des Kopierschutzes von HD-DVDs und Blu-Ray-Discs. Wie er behauptet, um die Silberlinge auch auf seinem Linux-Rechner ansehen zu können. Die Story reicht er auf der Community-News-Seite digg.com ein und löst damit einen Lösch-Repost-Kleinkrieg zwischen den Betreibern von digg.com und seiner Community aus (detailliert hier nachzulesen). Infolgedessen knickt der Gründer Kevin Rose ein und gibt ob der genialen Guerillia-PR triumphierend resigniert bekannt, dass der Code aufgrund der Macht der Community ab sofort nicht mehr gelöscht wird:

„We hear you, and effective immediately we won’t delete stories or comments containing the code and will deal with whatever the consequences might be. If we lose, then what the hell, at least we died trying.“ Kevin Rose

Das erinnert mich irgendwie an Mel Gibson auf der Folterbank in Braveheart. Als er trotz übelster Folter kurz vor dem Tod noch einmal „Freiiiiiiheit“ brüllt, statt sich den englischen Besatzern unterzuordnen.

„Kalifornier waren schon immer etwas anderes drauf. Aber mal ehrlich: Kevin kann es gelassen nehmen. Es gibt genug Firmen, die den Laden “retten” werden, sofern dies nötig ist (was ich stark bezweifle). Sein Diggbeitrag dient dem Studentenvolk den Mund zu halten und ein absoluter geschickter Medienstunt. Auf die BBC Homepage kommt man nicht alle Tage.“

meint daraufhin Sebastian Wenzel vom Webanalysticbook auf basicthinking.

Interessant dabei finde ich außerdem:

„In einigen Episoden der Video-Show „DiggNation“ taucht das Logo der HD-DVD Promotion Group auf. Ist also das Konsortium, das Google, Wikipedia und nun auch Digg mit Unterlassungserklärungen beharkt, ein Werbepartner der Firma hinter Digg?“ (SPIEGEL online)

Da stellen sich mir doch ein paar Fragen:

  • Inwiefern ist das tatsächlich eine Marketing-Aktion? Und was hat es mit dem unterstellten Sponsorship tatsächlich auf sich?
  • Kann man nur mit genügend Medien-Aufmerksamkeit Konzerne zum einknicken bringen? Auch, wenn man rechtlich im Unrecht ist?
  • Klassische Medien greifen diese Hypes gerne auf, wenn sie nur groß genug sind – das macht die Medien nicht gerade glaubwürdiger, oder?
  • Hat das so genannte Mitmach-Internet sobald eine Zensur greift überhaupt eine Existenzberechtigung?
  • Gibt es nicht auch eine Grenze für freie Meinungsäußerung? Wie sieht es aus mit Faschisten, Päderasten und dem Diebstahl von geistigem Eigentum?
  • Wer kann und sollte solche Grenzen ziehen?
  • Gibt es ein mangelndes Rechtsbewusstsein der User Social-Web-User? Bzw. wird das Argument freie Meinungsäußerung missbraucht um eben tun und lassen zu können, was man will?
  • Oder ist die HD DVD Promotion Group nicht selbst schuld, weil sie Ihre Produkte nicht ausreichend schützt? Kann man auf Unterlassung der Verbreitung des Codes klagen, wenn dieser zu einfach zu knacken oder gar durch eigenes Verschulden an die Öffentlichkeit geraten ist?

Kommentare»

1. M.B. - 4. Mai 2007

Folks, im Web ist es wie überall im Leben: Es gibt die Netten, die noch an das Gute glauben und nie auf die Idee kämen, etwas ungesetzliches zu tun. Und es gibt die Netten, denen man den kleinen Finger gibt und die einem den Arm ausreissen – aber nie absichtlich! Und – ach ja – es gibt die, die einfach nur Geld verdienen wollen.
Let’s face it: Das Web ist inzwischen eine Geld-Maschine, die natürlich die Netten braucht, aber von Nettigkeit, Basisdemokratie-Träumereien und Gesetzestreue nicht leben kann.

2. Kinderpornografie in Second Life - überrascht? « The Web Society - 8. Mai 2007

[…] Wenn etwas illegales geschieht, kann man nicht gleich alles abschalten oder die Welt so weit beschneiden, dass darunter der Eindruck des virtuellen Erlebens leidet. Das wäre das Todesurteil für alle virtuelle Welten. Es ist einfach unmöglich, eine virtuelle “Realität” anzubieten, wenn dort alles illegale gefiltert werden soll. Das ist nicht machbar – folglich bliebe nur die Schließung (vgl den Fall digg.com). […]

3. Ethikkomission gesucht - Bezahlung schlecht, Anfeindung garantiert … « The Web Society - 23. Juni 2007

[…] Ecken des Internets zurückziehen. Auch digg tut sich mit seitens der Industrie geforderten Zensur anfänglich nicht schwer, ungern gesehene und profitgefährdende Inhalte von der […]


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